Preisträger

Bayerischer Ingenieurpreis 2021
Bayerischer Ingenieurpreis 2021

Für ihre herausragenden, kreativen und innovativen Ingenieurleistungen hat die Bayerische Ingenieurekammer-Bau am Freitag, den 15. Januar 2021 drei bayerische Ingenieurbüros mit dem Ingenieurpreis 2021 ausgezeichnet. Kammerpräsident Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken und die damalige bayerische Bauministerin Kerstin Schreyer überreichten die Auszeichnung beim 29. Bayerischen Ingenieuretag an Prof. Dr.-Ing. habil. Karl G. Schütz, Dr.-Ing. Alexander Hentschel und Dipl.-Ing. (FH) Benjamin Di-Qual.

Erhalt denkmalgeschützter "Remy-Decken" bei der Generalsanierung der Generaloberst-Beck-Kaserne
Erhalt denkmalgeschützter "Remy-Decken" bei der Generalsanierung der Generaloberst-Beck-Kaserne

Weitere Projektbeteiligte
Architekt und Entwurfsverfasser:
wulf architekten gmbh
Bauherrenvertreter:
Staatliches Bauamt Kempten


1. Platz

Erhalt denkmalgeschützter "Remy-Decken" bei der Generalsanierung der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen
Prof. Dr.-Ing. habil Karl G. Schütz
Dr. Schütz Ingenieure (Kempten)
Preisgeld: 5.000 Euro

Erhalt denkmalgeschützter "Remy-Decken" bei der Generalsanierung der Generaloberst-Beck-Kaserne © Dr. Schütz Ingenieure
Erhalt denkmalgeschützter "Remy-Decken" bei der Generalsanierung der Generaloberst-Beck-Kaserne © Dr. Schütz Ingenieure
1. Platz Bayerischer Ingenieurpreis 2021 © Tobias Hase
1. Platz Bayerischer Ingenieurpreis 2021 © Tobias Hase

Ingenieurpreisgewinner 2021
Prof. Dr.-Ing. habil Karl G. Schütz
Dr. Schütz Ingenieure

Die heutige Generaloberst-Beck-Kaserne im schwäbischen Sonthofen wurde in den 1930er Jahren erbaut. Die dreizehn denkmalgeschützten Gebäude werden im Rahmen einer Generalsanierung zu Schulungsräumen der Bundeswehr umgebaut und durch Neu- und Erweiterungsbauten ergänzt. Die bestehenden sechsgeschossigen Unterkunftsgebäude sind ca. 18 m breit und bis zu 190 m lang. Sie sind in den oberen Geschossen als Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit Hohlkörperdecken aus Bimsbeton, so genannten „Remy-Decken“, ausgeführt.

Durch eine Serie von speziell für diese Decken entwickelten Belastungsversuchen gelang es dem Büro Dr. Schütz Ingenieure, die Tragfähigkeit der historisch wertvollen „Remy-Decken“ nachzuweisen. In einem eigens hierfür entworfenen Wasserbecken wurde eine Flächenbelastung stufenweise aufgebracht und bis zum erforderlichen Lastniveau gesteigert.

Bei der Versuchsdurchführung wurde die Durchbiegung der Decken mit einer Genauigkeit von 0,01 mm gemessen und bewertet. Nach insgesamt 93 erfolgreichen Belastungsversuchen war der Beweis erbracht, dass die denkmalgeschützte Konstruktion die heutigen Sicherheitsanforderungen erfüllt und somit auf der gesamten Fläche von 50.000 m² vollumfänglich und ohne zeitliche Beschränkung weiterhin genutzt werden kann.

Durch die auf wissenschaftlichen Methoden basierende Bestandsuntersuchung ließen sich gegenüber einem Abriss und Neubau der Decken rund 17 Millionen € Baukosten einsparen, etwa 16.500 m3 Bauschutt vermeiden und der Ausstoß von ca. 3.600 Tonnen CO2 verhindern.

Dem Preisträger ist es durch diese umfassende, individuell entwickelte Versuchsreihe gelungen, den ursprünglich erwogenen Austausch der historischen „Remy-Decken“ in dem ehemaligen Kasernengebäude vollständig zu vermeiden und damit zu einer ebenso nachhaltigen wie wirtschaftlichen Gesamtlösung beizutragen. Das eingereichte Projekt erfüllt in idealtypischer Weise die Anforderungen des Bayerischen Ingenieurpreises 2021.

Projekteinreicher
DR. SCHÜTZ INGENIEURE Beratende Ingenieure im Bauwesen PartG mbB
An der Stadtmauer 13, 87435 Kempten
Prof. Dr.-Ing. habil. Karl G. Schütz
Dipl.-Ing. Andreas Jocham

Weitere Projektbeteiligte
Architekt und Entwurfsverfasser: wulf architekten gmbh
Bauherrenvertreter: Staatliches Bauamt Kempten

2. Platz Bayerischer Ingenieurpreis 2021 © Tobias Hase
2. Platz Bayerischer Ingenieurpreis 2021 © Tobias Hase

Ingenieurpreisgewinner 2021
Dr.-Ing. Alexander Hentschel
Tragraum Ingenieure



2. Platz

Neubau der Umweltstation Würzburg
Dr.-Ing. Alexander Hentschel
Tragraum Ingenieure (Nürnberg)
Preisgeld: 3000 Euro

Neubau der Umweltstation Würzburg © Stefan Meyer
Neubau der Umweltstation Würzburg © Stefan Meyer
Neubau der Umweltstation Würzburg © Stefan Meyer
Neubau der Umweltstation Würzburg © Stefan Meyer

Bewerberteam
balda architekten gmbh
Kurt-Huber-Ring 9
82256 Fürstenfeldbruck

Projekteinreicher
TRAGRAUM Ingenieure PartmbB
Nordostpark 25
90511 Nürnberg

Bewerberteam
balda architekten gmbh
Kurt-Huber-Ring 9
82256 Fürstenfeldbruck

Weitere Projektbeteiligte
Büro Freiraum, Freising
Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung
Prof. Dr.-Ing. habil. Angelika Mettke, BTU Cottb.-Senftenberg
Das Projekt wurde gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Die Umweltstation Würzburg vermittelt als öffentlicher Lehr- und Lernbetrieb Wissen über Nachhaltigkeit und Ökologie. Mit ihrer ressourcenschonenden Bauweise ist sie selbst ein ideales Beispiel für einen bewussten und behutsamen Umgang mit natürlichen Rohstoffen.

Als erstes öffentliches Gebäude in Bayern wurde die Umweltstation Würzburg aus Recycling-Beton mit einem hinsichtlich des CO 2 -Äquivalentes optimierten Zementes (CEM III) errichtet. 650 m³ Beton wurden verbaut – zu 74 Prozent sind darin Inhaltsstoffe enthalten, die aus einer nahegelegenen, ehemaligen Autobahnbrücke stammen.

Der Neubau zeichnet sich zudem aus durch eine verbesserte Dämmung der Gebäudehülle, durch die konsequente Nutzung von Photovoltaik zur Realisierung eines bilanzierten Nullenergiehaus-Konzeptes sowie durch die Planung und Verwirklichung eines kombinierten Heiz-/Kühlsystems, bestehend aus Wärmepumpe, Eisspeicher und Solar-Luftabsorber.

Neben einer energetischen Bewertung der Baumaterialien von ihrer Herstellung bis zum Recycling umfasste die Planung der Umweltstation Würzburg umfangreiche Lebenszyklusanalysen. Dabei wurden emissionsbedingte Umwelteinwirkungen wie Treibhaus- und Versauerungspotenzial und der Verbrauch an Primärenergie für die Konstruktion sowie der Energieverbrauch über eine Lebensdauer von 50 Jahren betrachtet.

Der konsequente und kontinuierliche interdisziplinäre Planungsprozess mit den begleitenden ökologischen Bilanzierungen in allen Planungsentscheidungen stellt nach Ansicht der Jury einen bisher einmaligen Planungsprozess dar. Mit ihrer nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauweise besitzt die Umweltstation Würzburg Leuchtturmcharakter weit über die Region hinaus.

Neubau einer stehenden Flusswelle in Ebensee © concon
Neubau einer stehenden Flusswelle
in Ebensee © concon

Weitere Projektbeteiligte
McLaughlin Whitewater Design Group, Denver, USA
Braun Maschinenfabrik GmbH, Vöcklabruck, AT
HIPI ZT GmbH, Vöcklabruck, AT

3. Platz

Neubau einer stehenden Flusswelle
in Ebensee

Dipl.-Ing. (FH) Benjamin Di-Qual
concon - construction consulting
(Traunstein)
Preisgeld: 2.000 Euro

Neubau einer stehenden Flusswelle in Ebensee © Nico Walz
Neubau einer stehenden Flusswelle
in Ebensee © Nico Walz
3. Platz Bayerischer Ingenieurpreis 2021 © Tobias Hase
3. Platz Bayerischer Ingenieurpreis 2021 © Tobias Hase

Ingenieurpreisgewinner 2021
Dipl.-Ing. (FH) Benjamin Di-Qual
concon - construktion consulting

Projekteinreicher
concon – construction consulting
Di-Qual & Huber Partnerschaft beratender Ingenieure m.b.B.
Maximilianstraße 31
83278 Traunstein

Weitere Projektbeteiligte
McLaughlin Whitewater Design Group, Denver, USA
Braun Maschinenfabrik GmbH, Vöcklabruck, AT
HIPI ZT GmbH, Vöcklabruck, AT

Riversurfen ist eine Sportart, bei der man auf einer „stehenden“ Flusswelle surft. In interdisziplinärer Zusammenarbeit deutscher, österreichischer und amerikanischer Ingenieurbüros entstand jetzt im österreichischen Ebensee am Traunsee ein Paradies für Surfer. Mit einer zehn Meter breiten und bis zu anderthalb Meter hohen Welle ist The RiverWAVE die weltweit größte gebaute stehende Flusswelle.

Um das Wasser zu lenken und die Menge und Geschwindigkeit zu steuern, benötigt The RiverWAVE keinerlei zusätzliche Energie. Sie ist die erste Flusswelle, bei der das Ausleitungsbauwerk, welches einen Teil des Wassers in einen gebauten Seitenarm einspeist, ausschließlich durch ein hydraulisches Schild über einen Hydraulikantrieb gesteuert wird.

Wesentlich für den Betrieb dieser stehenden Surfwelle ist eine möglichst große Verstellbarkeit des Stahlwasserbaus, um auf die stark schwankenden Wasserstände reagieren zu können. Mit der gleichzeitig errichteten Fischtreppe konnte der Eingriff in das Gewässer nicht nur ausgeglichen, sondern die ökologische Bestandssituation sogar verbessert werden.

Dem internationalen Planungsteam ist es mit dem Projekt gelungen, eine neue erste Adresse für die bald olympische Trendsportart Surfen an einem Fließgewässer in der freien Natur zu schaffen.